Berge
Berge sind tief in der österreichischen Identität verwurzelt. Nicht umsonst heißt es in der Bundeshymne: Land der Berge, Land am Strome. Der Ausstellungsraum Berge zeigt Ihnen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Alpen: Was die Schmelze des Permafrosts bedeutet und wie stark der Mensch in den natürlichen Kreislauf eingreift und dadurch den Klimawandel verstärkt. Und: Dass ein schneereicher Winter und der Klimawandel kein Widerspruch sind, im Gegenteil.

Mehr alpine Naturgefahren
durch den Klimawandel

Thomas Thaler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Alpine Naturgefahren der Universität für Bodenkultur (BOKU) erklärt in einem Video-Interview die Naturgefahren in Österreich, was das für die Menschen bedeutet und wie man darauf reagieren sollte.

Die Naturgefahren lassen sich in Österreich in zwei Hauptgefahrenquellen unterscheiden.

Die unteren Einzugsgebiete im Alpenraum: Hier ist vor allem die Donau mit ihren Hochwasserereignissen zu nennen (2002, 2013), bei welchen vor allem Landstriche in Oberösterreich und Niederösterreich betroffen waren. In den oberen Einzugsgebieten im alpinen Bereich sind vor allem Gefahren wie Lawinenabgänge, Muren und Steinschläge zu sehen. Der Klimawandel ist ein Teil der Ursachen für diese Gefahren bzw. er verschärft und verstärkt sie. Durch den Klimawandel erfolgt eine stärkere Konzentration von Ereignissen, d.h. sie treten in einer stärkeren Dimension auf. Das Schmelzen von Permafrost und der Gletscher führt dazu, dass lange Zeit bestehende Wander- und Bergsteigrouten im Gegensatz zu früher sehr unsicher und gefährlich geworden sind, weil das stabilisierende Eis nicht mehr bzw. weniger vorhanden ist. Auch Schigebiete werden so gefährdet.

Hier zu sehen unser Video-Interview mit Thomas Thaler:

Bau-und Verkehrslawine
in den Alpen

Die Alpen sind schon heute wohl das am stärksten zersiedelte, mit Pisten und Seilbahnen verbaute und mit Straßen zerschnittene Gebirge: Unten, in den großen Tälern breiten sich Straßen, Siedlungen, Gewerbegebiete und Shoppingzentren aus. Oben sprießen Liftanlagen, Pisten und Hotelburgen. Wann ist der Plafond erreicht?

Die alpine Normal-Realität abseits der idealisierten Bergidylle sucht man vergeblich in den Fremdenverkehrsprospekten: Staus, sich ausbreitende Siedlungen und Shopping-Schachteln, Groß-Parkplätze und - Hotels. Die Umbau des Gebirges schreitet voran. Die Folgen: alpine Freiräume schwinden, natürliche Ökosysteme geraten unter Druck, die Täler leiden unter Lärm und Abgasen (insbesondere das klimaschädliche CO2!), Shoppingtempel erodieren alte Stadtkerne. Nur sieben Prozent der österreichischen Staatsfläche sind heute noch einigermaßen naturbelassen und unerschlossen. Doch auch diese kümmerlichen Reste an alpiner Freiheit werden von Investoren und Liftbaronen belagert. Ein aktueller Streitfall ist der geplante Bau einer neuen Skigebietsverbindung zwischen dem Pitz- und Ötztal. Mitten durch schützenswerte, hochalpine Wildnis. Am Plan stehen:

- Drei Seilbahnen
- Dreistöckiges Seilbahnzentrum (über 15.000 m² Nutzfläche)
- Restaurants und Bars (Kapazität für 1.600 Gäste)
- Befahrbarer Tunnel (600 m Länge, 7 m Durchmesser)
- Asphaltierter Speicherteich (104.000 m³)
- Zusätzliche Beschneiungsanlage
- Mehr als vier Kilometer an Straßen und Wegen
- Planierung, Überschüttung, Abtrag von 72 ha gewachsenem Gletscher
- Schleifung eines Berggrats am Linken Fernerkogl um 40 Höhenmeter und 120.000 m³

Mehr Informationen:wwf.at

Augenzeugin:
Renée Schroeder

Foto: Franz Johann Morgenbesser commons.wikimedia.org

Renée Schroeder

Renée Schroeder, Molekularbiologin und emeritierte Universitätsprofessorin der Universität Salzburg hat den Bergbauernhof Leierhof in Abtenau (im Salzburger Land) erworben und mit ihrer Familie revitalisiert. Aus dieser persönlichen Perspektive erzählt Renée Schroeder, wie sie den Klimawandel erlebt.

Als Neo-Landwirtin und Bewohnerin in den Alpen erzählt sie ihre Beobachtungen, was der Klimawandel für die Natur und für den Menschen bedeutet.

Renée Schroeder ist auch die Obfrau des Bildungsvereines Offene Gesellschaft.

Hochwildehaus

By Whgler - Own work, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Das Hochwildehaus (Obergurgl):
Wegen Permafrostschmelze geschlossen.

Die bewirtschaftete Alpenverein-Hütte Hochwildehaus in Obergurgl musste aufgrund der Permafrostschmelze geschlossen werden: Der Untergrund wurde instabil, das Haus für die Benützung zu gefährlich.

Das Ötztal gipfelt in einem grandiosen Hochgebirgslandschaft mit geradezu arktischen Zügen: Unter den schroffen Graten und Gipfeln von Hochwilde und Schalfkogel liegt der (immer noch) gewaltige Gurgler Gletscher. Von der Alpenvereins-Hütte Hochwildehaus bietet sich ein unvergesslicher Blick auf diese weite Alpenwildnis. Besser gesagt: bot sich. Die Bergsteiger-Herberge mußte nämlich dauerhaft geschlossen werden. Der Grund: Die Klimakrise hat dramatische Veränderungen in Gang gesetzt und der Permafrost im Boden unter der Hütte schmilzt. Der Untergrund wird daher instabil und das Haus wurde für jedwede Benützung zu gefährlich…

Schmelzende Gletscher sind schon in den Köpfen vieler Menschen. Was hingegen weniger bekannt ist: in größeren Höhen und in nordseitigen Hängen und schattigen Karen ist das Gestein gefroren. Dieses Eis hält die Berge wie Kitt tief in ihrem Inneren zusammen. Noch. Denn die steigenden Temperaturen lassen dieses Tiefeneis schmelzen. Das große Tauen dringt immer tiefer in die eisigen Gesteinskerne und in immer größere Höhen vor. Dadurch entstehen Ritzen und Spalten. Regenwasser sickert ein und wird beim nächsten Winter-Frost wieder zu Eis. Weil Eis mehr Ausdehnung hat als Wasser, sprengt es das Gestein. Die Folge: Felswände werden locken und porös. Die Berge zerfallen und donnern in die Tiefe.



Das Video des Bayrischen Rundfunk zeigt die Auswirkungen des großen Tauens am Beispiel der Ötztaler Alpen. Unter dem Hochwildehaus des Deutschen Alpenvereins in Obergurgl schwindet der Permafrost im Berg. Die beliebte Bersteiger-Unterkunft mußte dauerhaft zugesperrt werden, weil es akut einsturzgefährdet ist…

Schneekanonen

Schneekanonen für die Party

Der Wintertourismus in den Alpen hat sich in immer mehr Gebieten zu einem überbordenden Massendauerevent entwickelt. Einzelne Schigebiete wie Ischgl in Tirol haben den Ruf des Ballermanns der Alpen erworben. Dafür wird enorm in die Natur eingegriffen und so ein Kultur- und Erholungsraum zerstört. Tausende Schneekanonen verbrauchen viel Energie und stören durch den enormen Verbrauch massiv den natürlichen Wasserkreislauf. Dies verstärkt die Klimakrise.

Der Tourismus in Ischgl steht dafür,das „Ibiza der Alpen“ zu sein. Nun ist Ischgl natürlich nicht nur ein berüchtigtes Partyziel, sondern gleichzeitig eines der größten Skigebiete der Alpen, eine hightech-optimierte „Luxus Destination“ wie Fachleute sagen, in der kompromisslos die Ansprüche des Tourismus weit vor denen der Natur stehen. 238 Pistenkilometer, Achter-Sesselbahnen mit Sitzheizung und W-LAN, ein schier unüberschaubares Angebot an Skipisten, Schneebars und Restaurants bieten den Gästen in Ischgl eine neue Superlative. Dabei ist die größte Schwierigkeit nicht einmal, dass der Schnee immer später kommt. Zur Hauptsaison in den Weihnachtsferien hatte es diesmal so gut wie nicht geschneit, die Pisten waren trotzdem alle offen. „Das kriegen wir hin“, sagt Tourismusdirektor Andreas Steibl. Er meint damit die 1200 Schneekanonen, mit denen Ischgl sein Skigebiet künstlich befahrbar machen kann. Dies bedeutet einen enormen Eingriff in die Natur und den natürlichen Wasserkreislauf und verschlechtert die Fähigkeit, die Folgen des Klimawandels zu absorbieren, wie ein Bericht des Naturschutzbundes zeigt.

Foto: Matthias Schickhofer

Vor allem deutsche Medien berichten umfassend über die Alpenkrise:

Quelle: Tagesspiegel

Bericht des Bayrischen Rundfunks:

Bergsport und
Bergwanderung

Foto: Matthias Schickhofer

Folgen des Klimawandels:
Worauf müssen sich die Menschen beim Sport und der Wanderung auf den Bergen einstellen?

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf alpine Hütten und Wege?

Die Alpen sind ein beliebtes Ziel von sehr vielen Menschen, um Sport und Wandern in der Natur zu betreiben. Ein Aufenthalt in den Bergen war immer schon mit einem Risiko verbunden. Der Klimawandel erhöht jedoch diese Risiken. Die Steinschlaggefahr, Felsstürze und die Bildung von Spalten sind einige davon. Bei der Ausübung des Bergsports sind die Menschen daher angehalten, sich auf diese Risiken einzustellen. Immer öfters wird es sich um Letztbegehungen anstatt von Erstbegehungen handeln. Tipps dazu finden sich im Video des Deutschen Alpenvereines.

Quelle und Video des Alpenvereines (gefördert durch "Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz"):

Piz Cengalo

Ausschnitt aus dem Video unten.

Piz Cengalo: Riesiger Felsturz aufgrund des schmelzenden Permafrosts

Die Schmelze des Permafrosts hat durch die Lockerung der Felsen sowie des freiwerdenden Schmelzwassers einen riesigen Felssturz am Piz Cengalo in der Nähe von St. Moritz ausgelöst. Dadurch begrub einen Teil des darunter liegenden Ortes Bondo mit einer Stein- und Schlammlawine, dazu wurde er mit Wasser überflutet.

Wenn das dauerhaft gefrorene Innere der hohen Alpengipfel - der sogenannte Permafrost - auftaut, werden ganze Berghänge instabil und drohen ins Tal zu stürzen. Der Permafrost hält die Berge nämlich wie ein Kleber zusammen. Taut er auf, kann Wasser in die frei werdenden Spalten eindringen - und das Gestein sprengen, wenn es (im Winter) gefriert. Die Klimaerhitzung bewirkt, dass dieses Tauen und Sprengen immer tiefer in das Innere der hohen Fels- und Eisflanken dringt. Die Permafrostschmelze bedroht Täler mit ihren Siedlungen und Verkehrswegen. Das dies keine Hirngespinste sind, hat der katastrophale Bergsturz am Piz Cengalo(in der Nähe von St. Moritz im Kanton Graubünden / Schweiz) am 23. August 2017 sehr deutlich vor Augen geführt. Es kam zu zu einem gewaltigen Bergsturz. Acht Bergsteiger kamen dabei ums Leben. Ein Teil der Nordwand des Berge brach einfach ab und drei Millionen Kubikmeter Felsen krachten mit 250 KM/H ins Tal. Das löste eine gigantische Mure aus Schlamm und Geröll aus, die sich auf einer Breite von 100 Metern durch den Taleinschnitt der Bondasca zwischen Bondo und Promontogno ergoß. Wie durch ein Wunder wurden „nur“ vier Häuse zerstört. Mit derlei Katastrophen-Ereignissen ist in Zukunft verstärkt zu rechnen. Was bedeutet das für unsere Berge? Die Klimaerhitzung verändert die Alpen fundamental. Innen und außen. Und diese Entwicklung hat erst begonnen. Niemand weiss, was auf die Alpen und ihre BewohnerInnen genau zukommt. Was wir aber sicher sagen können: Trocken- und Hitzeperioden werden viel häufiger. Daher werden die Gletscher und der Permafrost weitgehend verschwinden. Dadurch wird die Stabilität des Gebirges in weiten Bereichen angegriffen. Es ist damit zur rechnen, dass das Leben in den Alpen und der Aufenthalt im Hochgebirge wird sehr viel gefährlicher werden.

Ein Bericht der Tageszeitung „Die Presse“.

Dieses Video zeigt das Ausmaß des Felssturzes und seiner Folgen.

Schneereiche Winter

Quelle: wetteronline.at

Ein schneereicher Winter und der Klimawandel – wie hängt das zusammen?

Der schneereiche Rekordwinter 2018/19: Widerlegt er den Klimawandel? Oder ist es vielleicht ganz anders und er hat damit zu tun?

Der Winter 2018/19 war insbesondere in den Alpen einer der schneereichsten seit vielen Jahrzehnten. Zahlreiche Orte in Österreich waren durch die Schneemassen eingeschlossen. Meterdicke Schneedecken lagerten auf den Bergen, bis tief in das Frühjahr hinein.

Das Ausmaß des starken Schneefalls und der Folgen sind eindrücklich in diesem Video des Bayrischen Rundfunks zu sehen:

Dieser schneereiche Winter stellte für manchen schon die Existenz der Klimakrise in Frage. Ist das schon eine Trendwende? Können wir den Alarm abblasen? Oder ist die Erhitzung der Erdatmosphäre vielleicht sogar indirekt „schuld“ an dem mehr als üppigen Schneefall? Leider gibt es keinen Grund für eine Entwarnung: Die Klimaerhitzung führt nämlich unter anderem zu einer Umstellung der atmosphärischen Dynamiken. Der Meteorologe und Klimaschützer Gernot Schütz erklärt: Der Jetstream ist ein Starkwindband in rund 8 bis 9 km Höhe über der nördlichen Welthalbkugel. Durch den Klimanwandel und die Erderwärmung werden die Ausschläge des Jetstream viel größer. Das wiederum hat zur Folge, dass die Hochs und Tiefs länger an einer Stelle bleiben. Anfang Januar 2019 hatten wir dann die Situation, dass die Luft sehr feucht wurde und sich mit Wasser aufgesogen hat, zudem hat sich diese Polarluft erwärmt. Diese feuchten Wolken sind in der Folge senkrecht auf die Alpen geprallt, wodurch die großen Massen an Schneefall als Niederschlag folgten.

Der Zusammenhang dieses schneereichen Winters mit dem Klimawandel wird ausführlich von Gernot Schütz in diesem Video erklärt: